Soziale Krisen sind kommunikative und immer auch andragogische
Phänomene. Krisenkommunikation wird erlernt und sie wird als Lernanlass
kommuniziert. Krisen existieren nicht unabhängig von einer Sozialstruktur und einem
daran anknüpfenden Diskurs, der vor der Krise beginnt, mit der Etablierung
einer Krisendiagnose wächst, um mit sinkendem Neuigkeitswert dann langsam abzuebben.
Krisen sind spezifische, negativ gefärbte Formulierungen gesellschaftlicher
Komplexität, in der die Vervielfältigungen von Kontingenzen, von intransparenten
wechselseitigen Abhängigkeiten sozialer Verhältnisse einen Orientierungsbedarf
auslösen, der durch die Krisendiagnose bestimmt und als Kommunikation darüber
bearbeitet wird. In dieser Krisenkommunikation werden immer auch zahllose Lerngelegenheiten
und -anforderungen identifiziert und an verschiedene Personen oder
soziale Gruppen adressiert. Der Beitrag untersucht Krisenkommunikation als eine
spezifische Form normativer Selbstbeschreibung der Gesellschaft, die aktuell eine
besonders virulente Praxis der Konstruktion von Gesellschaft darstellt, deren Form
und Funktion es weiter aufzuklären gilt. Dazu werden die gesellschaftliche Ubiquität
von Krisendiagnosen als Katalysator andragogischer Krisenkommunikation
diskutiert und die soziale Praxis, gesellschaftliche Veränderungen zunehmend als
krisenhaft zu beschreiben, näher bestimmt, um darüber die spezifische Temporalität
der Krise zwischen gesellschaftlicher Regression und Progression zu analysieren.
Dass gesellschaftliche Krisen nicht zuletzt von und in Organisationen bearbeitet werden,
führt zu einer Form kumulativen Strukturwachstums in Form von regulierenden Ablaufschemata, die die Komplexität der Gesellschaft weiter steigern. Dadurch entstehen
weitere Krisenanlässe. Ein reflexiver Umgang mit diesem Phänomen durch
die Erziehungswissenschaft bietet die Chance, nicht in den Wiederholungszwang
strukturell vorgezeichneter Krisenkommunikation zu verfallen, sondern in der Analyse
von Krisenkommunikation eine spezifische Form der sozialen Adressierung von
Lernanforderungen sichtbar zu machen, die als Sozial-Andragogik menschliche wie
organisationale Akteure übergreift.
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Soziale Krisen sind kommunikative und immer auch andragogische
Phänomene. Krisenkommunikation wird erlernt und sie wird als Lernanlass
kommuniziert. Krisen existieren nicht unabhängig von einer Sozialstruktur und einem
daran anknüpfenden Diskurs, der vor der Krise beginnt, mit der Etablierung
einer Krisendiagnose wächst, um mit sinkendem Neuigkeitswert dann langsam abzuebben.
Krisen sind spezifische, negativ gefärbte Formulierungen gesellschaftlicher
Komplexität, in der die Vervielfältigun...
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