Kaum ein Geburtstag dürfte in den vergangenen Jahren innerhalb der philosophischen Welt Deutschlands und der sogenannten Kontinentalphilosophie so lange Schatten vorausgeworfen haben wie der 300. von Immanuel Kant. Unter der Überschrift ,,Der Weg zum Jubiläum“ stimmte die Bundesregierung mit ihrem Beauftragten für Kultur und Medien etwa schon 2016 in die Feierlichkeiten ein. Im Deutschen Museum Berlin verfolgte sie mit Vorträgen, Workshops und einem Podiumsgespräch das Anliegen, Potenziale von Kants philosophischen Einsichten als ,,Ideenschmiede“ zur Bearbeitung zeitgenössischer Herausforderungen zu nutzen und deren Erbe bis zum Jubiläumsjahr mit ,,breitenwirksame[r] Beschäftigung“ in Politik und Gesellschaft einzubringen.1 Drei Jahre später folgte – abermals in der bundesdeutschen Hauptstadt – eine weitere, nunmehr dreitägige Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die zu diesem Zeitpunkt schon damit begonnen hatte, eine komplett revidierte Neuedition der Akademieausgabe herauszugeben. In Hinblick auf den 2024 zu begehenden 300. Geburtstag Kants ging es bei dieser Tagung darum, die Aktualität des Gefeierten als einen ,,europäische[n] Denker“ zu sondieren.2 In fast 20 Vorträgen – gehalten von etlichen Granden der Gegenwartsphilosophie – erklang fast unisono die Aussage, dass Kants Leistungen bis heute insgesamt fortwirkten und die Debatten über Menschenwürde, Frieden und Freiheit aufs Intensivste belebten, trotz mancherlei ,,labyrinthischer“ Ausprägungen seines Sprach- und Denkgebäudes. Durch jene Eigentümlichkeit seiner Denkungsart – so wurde verlautet – gelinge es aber gerade auch, Widersprüchlichkeiten, selbst jene der Spätmoderne, nicht einseitig aufzulösen, sondern diese zu integrieren und so nötige Komplexität zu wahren.
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Kaum ein Geburtstag dürfte in den vergangenen Jahren innerhalb der philosophischen Welt Deutschlands und der sogenannten Kontinentalphilosophie so lange Schatten vorausgeworfen haben wie der 300. von Immanuel Kant. Unter der Überschrift ,,Der Weg zum Jubiläum“ stimmte die Bundesregierung mit ihrem Beauftragten für Kultur und Medien etwa schon 2016 in die Feierlichkeiten ein. Im Deutschen Museum Berlin verfolgte sie mit Vorträgen, Workshops und einem Podiumsgespräch das Anliegen, Potenziale von K...
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